Der Frust der Frauen
Update [26.03.2012]: Dies ist eine leicht ergänzte Version des urprünglichen Beitrags, die inzwischen auch in der aktuellen Ausgabe von EMMA erschienen ist.
Trotz aller Erfolge und Errungenschaften des Feminismus muss man mit der jungen deutschen Frau im Jahr 2012 mehr Mitleid haben als je zuvor. Denn sie muss nicht nur um ihre zahlreichen eigenen Probleme kümmern, sondern ist auch noch mit einer Generation von Versager-Männern konfrontiert, die ihr ein erfülltes Liebesleben verweigern. So liest sich jedenfalls die Anklage von Nina Pauer in der Zeit.
„Die Schmerzensmänner“ lautet die Überschrift des Artikels; in der Bildunterschrift ist von „der neuen weinerlichen Männlichkeit“ die Rede. Und es ist schon erstaunlich, dass diese Attacke ausgerechnet von Nina Pauer kommt, die der Öffentlichkeit bis jetzt vor allem mit ihrem Buch „Wir haben keine Angst“ aufgefallen ist, einem Buch, das die „Angstmacher“ der Generation um die 30 von der Arbeit über die Liebe bis zur Politik beschreibt. Denn einmal abgesehen davon, dass der Begriff nicht weit führt und vor allem als Beleidigung taugt: Was wäre weinerlicher als so ein Buch zu schreiben? Oder sind Frauen von Natur aus vom Vorwurf der Weinerlichkeit befreit?
Nina Pauer scheint sich an diesen Ungereimtheiten aber nicht zu stören und prangert stattdessen die kommunikative und libidinöse Unfähigkeit des „jungen Mannes von heute“ an: „Auf die junge Frau wirkt die neue männ¬liche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy. (…) Statt fordernd zu flirten, gibt er sich als einfühlsamer Freund. Schüchtern in einer Baumwollstrickjacke hinter einer Hornbrille versteckt, steht er in dunklen Großstadtbars und hält sich an einem Bier fest. (…) Die Körper haben keine Chance gegen ihre Köpfe, die junge Frau geht. Du machst alles richtig, murmelt sie traurig, sie meint den liebenswerten Gefährten. Du machst alles falsch, denkt sie und meint den gehemmten Liebhaber.“
Man könnte Mitleid haben mit Pauers „junger Frau“ – wenn sie nicht selbst schuld wäre. Das beginnt bei der Kommunikation: Klar und direkt kommunizieren kann Pauers „junger Mann“ offenbar nicht, denn er ist verletzlich und schüchtern. Damit repräsentiert er sicher nicht seine ganze Generation, aber es gibt solche Männer natürlich. Und man muss es den Frauen auch nicht verübeln, wenn sie sich etwas mehr Temperament von ihnen wünschen.
Aber wie reagiert Nina Pauers „junge Frau“? Sie murmelt. Sie murmelt dem jungen Mann zu, dass er alles richtig mache – und denkt sich im Stillen das Gegenteil. Ob sie schon mal darüber nachgedacht hat, dass genau das die unklare Kommunikation sein könnte, die den Mann in Beziehungsfragen in die Orientierungslosigkeit treibt?
Aber der Kern des Problems liegt noch tiefer. Denn klar kommunizieren kann nur, wer überhaupt weiß, was er (oder sie) will. Pauers „junge Frau von heute“ weiß es aber nicht. Sie beklagt sich über „Waschlappen“ und will einen Mann, bei dem sich der Wunsch regt, „sich flammend an seine starke Brust zu werfen“. An sich kein Problem. Allerdings wäre es dann vielleicht schlauer gewesen, „in eine von Bankern frequentierte Abschleppbar zu tingeln, um ein Kontrastprogramm zu erleben“, wie es ein Freund formuliert hat.
Wenn ihr das nicht passt, weil sie auf die Errungenschaften der Frauenbewegung dann doch nicht verzichten will, dann sollte die „junge Frau“ beginnen, darüber nachzudenken, ob sie und ihre progressiven Geschlechtsgenossinnen nicht womöglich ihre eigenen Wünsche und Ideale mit einem Haufen widersprüchlicher Forderungen torpedieren:
Die Brust des Mannes soll stark sein, aber wenn er mit stolz geschwellter Brust flaniert, wird er ruckzuck als Macho beschimpft. Sensibel soll er sein, aber sobald er seine Gefühle zeigt, wird er als weinerlich verspottet. Am besten sollte er auch noch akzeptieren, dass die Frau das intelligentere, gefühlvollere und moralisch bessere Wesen ist – aber er darf darüber bitte nicht sein unverwundbares Selbstbewusstsein verlieren und seine wilde, männliche Stärke.
Nicht dass der Mann das alles stets brav mitmachen würde. Geht ja auch gar nicht. Aber auch dem härtesten und konsequentesten männlichen Geist kann es passieren, dass er bei solchen Forderungen irgendwann die Lust verspürt, einfach den Kopf in den Sand zu stecken – oder auf eine hübsche, klar kommunizierende Ukrainerin auszuweichen.
Wenn Pauers „junge Frau“ nun trotz aller Emanzipation einen Mann will, an dessen starke Brust sie sich flammend werfen kann, dann müsste sie zusammen mit ihren aufgeklärten Freundinnen mal darüber nachdenken, ob es wirklich vernünftig ist, dem Mann als solchem immer wieder Schuldgefühle einzureden, weil er angeblich mit seiner gewalttätigen Natur für das Böse in der Welt verantwortlich ist – was letztendlich ja doch höchstens sein Rückgrat zerstört und zu einer geknickten Haltung führt.
Sie müsste noch einmal genau prüfen, wie sinnvoll die Strategie ist, die Vertreter des anderen Geschlechts in kurzsichtigen publizistischen Rundumschlägen niederzumachen, nur um sich anschließend über deren Niedergeschlagenheit zu empören.
Und sie müsste sich überlegen, ob „Weinerlichkeit“ oder „Wehleidigkeit“ nicht an sich schon überkommene Kategorien sind, die nur Sinn ergeben, wenn man ein Ideal stählerner, emotional tauber Kriegsmaschinen verfolgt. (In einer Umfrage von 2002 war „Wehleidigkeit“ die wichtigste Eigenschaft, die Frauen mit Männern assoziierten!)
Die „junge Frau von heute“ muss sich darüber klar werden, was sie wirklich will und wie ihre Ideen und Forderungen eigentlich zusammenpassen. Und wenn sie an diesem Punkt angelangt ist, dann wäre es nicht schlecht, wenn sie diese Wünsche und Sehnsüchte klar und freundlich formulierte, und den „jungen Mann“ dazu ermutigte, Schritte in die richtige Richtung zu machen, anstatt bei jedem Fehler widersprüch¬liche Formeln zu murmeln oder sich in Ausbrüchen frustrierter Kritik zu verlieren.
Sollte die „junge Frau“ einmal so weit sein, dann wird es nicht lange dauern und sie wird sich vor coolen, souveränen Männern gar nicht mehr retten können. Diese Männer gibt es auch jetzt schon, bloß machen die meisten aus Selbstschutz einen großen Bogen um Frauen wie die, die Nina Pauer schildert. Sie müsste sich dazu aufraffen, ihren Frust und ihre griesgrämige Stimmung mal für eine Weile zu vergessen, und stattdessen versuchen, den Männern ehrlich, wohlwollend und positiv zu begegnen. Dann könnte es ganz einfach sein.
Kommentare
In der Tat, ein schöner Kommentar zu Nina Pauers Artikel in der "Zeit"! Ähnliches ging mir bei der Lektüre auch durch den Kopf – sie will die eierlegende Wollmilchsau: den sensiblen, kulturell versierten, in allen Lebenslagen souveränen, fordernden, im Bett potenten ...Beschützer (von wegen "flammend an die Brust werfen"). Den weißen Prinzen halt. Das arme Prinzeßchen mit Federbausch, das nicht kriegt, was sie will...
Oder reicht ihr der klassische Beschützer alleine schon? Dann jedenfalls ist sie wahrscheinlich in den falschen Jagdgründen unterwegs. Vielleicht sollte sie zum nächsten Männerfang mal in eine von Bankern o.ä. frequentierte Abschleppbar tingeln, um ein Kontrastprogramm zu erleben. Vielleicht klappt's da ja! Der von ihr beschriebene "junge (deutsche) Mann" von heute ist jedenfalls mit Sicherheit ein sozial spezifisches Phänomen bestimmter, z.B. studentischer und kulturaffiner Milieus. Und auch dort gibt es noch andere Typen!
Viele Grüße aus Paris,
F.
Versteh' ich nicht. Sie sehen ein Problem darin, dass Frauen ihre Wünsche nicht lückenlos kennen, auf Machbarkeit und Kompatibilität prüfen und glasklar artikulieren? Ja, und wenn sie es könnten? In welchem Weltbild formt der Mann seinen Charakter dann pflichtschuldigst nach dieser Spezifikation? Das tun höchstens Männer, die es sich auch zu Herzen nehmen, wenn sie von dieser "als Macho beschimpft", von jener "als weinerlich verspottet" werden. Was Sie ja auch nicht so toll finden.
Mit Recht: Ein authentischer Selbstreflektierer ändert sich durch Schimpfen und Spotten genauso wenig wie ein authentischer Macho. Schon das macht ihn anziehend. Selbst wenn das zur Beziehung nicht reicht, kann er immer noch weitersuchen, oder seine Ansprüche oder sich selbst ändern, bis es eben passt - oder es bleiben lassen, wenn er das nicht will (eine erlaubte Option, oder?).
Nur - den andern vorzuwerfen, dass es nicht passt, ist doch albern. Genau das tut jedoch Frau Pauers Artikel mit den Männern und Ihrer mit den Frauen.
Ich sehe schon ein Problem darin, wenn eine(r) an den anderen widersprüchliche Forderungen stellt. Führt doch zu nichts.
Der Text war erstmal eine Replik auf Pauers Artikel, und darin eine Antwort auf den Frust ihrer "jungen Frau von heute". Es ging mir darum, darauf hinzuweisen, dass diese "junge Frau" (die ganz sicher nicht alle jungen Frauen in Deutschland repräsentiert, aber doch einige), sich erstmal selbst klar machen soll, was sie eigentlich will, bevor sie den Mann dafür verantwortlich macht, dass es nicht funktioniert. An die Männer war der Text erstmal gar nicht gerichtet.
Natürlich formt kein Mann "seinen Charakter pflichtschuldigst" nach allen Forderungen der Frauen. Deswegen beschweren sie sich ja auch immer noch... Das entscheidende Kriterium für die eigenen Orientierungen ist das, was einen selbst überzeugt. Und wenn es dann, zwischen zwei Individuen, nicht passt, dann gibt so sowieso keinen Grunde mehr, sich da noch länger aufzuhalten.
Dass alles in der Hand der Frauen läge - das meinte ich nicht. Die Männer müssen natürlich auch das Ihre tun. Trotzdem haben die Frauen Einfluss auf das Verhalten der Männer. Das fängt bei der Erziehung schon an, wo die Frauen dominant sind; und auch als Erwachsener hängt das Wohlbefinden, das Selbstvertrauen und die Leichtigkeit, die man in konkreten Situationen emfpindet (oder eben nicht) eng damit zusammen, wie der (oder die) andere auf das eigene Verhalten reagiert. Das wird bei jener Art von Männer-Bashing oft übersehen. Und darum ging es mir.
Zu Nina Pauer.
Fakt - es gibt viele junge Männer, die unfähig sind.
Fakt - es gibt noch mehr junge Frauen, die unfähig sind.
Auszumalen, wieviele individuelle Jungen und Mädchen es gibt, wenn man sich durch Schulen bewegt, gibt ein klares Bild. Beide Geschlechter sind von Unfähigkeit verflucht, sie twittern und posten unter der Schulbank, was sie durchs Fenster sehen, dem Sitznachbarn. In der Bahn und im Café sitzen sie mit ihren blitzenden modernen Geräten und schieben Statusbeiträge über die DSL-Flat. Von grundlegendem alternativem Interesse, aus welchem sich die Fähigkeit beider Geschlechter erst entwickeln kann, ist heute keine Rede mehr.
Das 8jährige Gymnasium wird die Situation noch verschärfen. Ich fühle mich berechtigt, auf die Schulen einzugehen, weil ja direkt von der Schule dieselben Jungen Versager kommen, von der Sina Sauer spricht.
Es ist nicht ganz so leicht, wie Frau Power sich das vorstellt, denn die Frau und der Mann, das ist keine kleine Volksgruppe wie die Juden oder die Punks, die es erst seit absehbarer Zeit gibt. Keine Gruppen, deren soziologischen und hierarchischen Hintergrund man historisch eingehend verfolgen kann. Und wenn - dann ist es ein Teufelsakt, denn wer es schafft, zu jeder Zeit die Rolle der Frau und des Mannes in derGeschichte zu durchleuchten, nur der ist in der Lage, von einem Versagermann des 21. Jahrhunderst sprechen zu dürfen. Denn er kennt den Hintergrund des Übels.
Schaut man sich die Amazonen an und vergleicht man römische Tempelfrauen mit den Frauen des 21. Jahrhunderts, dann sticht ein extremer Hang zum Abbau der Selbstständigkeit heraus. Was können und tuen Frauen, die kurz vor der Jahrtausendwende geboren sind ?
Nichts als Mode, mit Verlaub ! Nichts als Mode und I-phones.
Klingt schrecklich, was ist zu erwarten ? - es ist's auch.
Wer von Versagermännern spricht, der darf sich nicht zu viel erhoffen, denn dieser Wald, in den man da hineinruft, der schlägt einem sämtliche Zähne aus.
Denn der Wald fühlt sich beleidigt, da er den Rufer sieht.
Und wer sich die Frauen von heute anguckt, der geht am Stock.
Hat ein Mann je von Maskulinismus gesprochen ?
Der Mann braucht Maßstäbe, an denen er sich orientieren kann.
Er jedoch hat sie und weiß sie besser zu nutzen, als die Frau dies tut.
Erst abwarten, dann lamentieren. Denn die Weinerlichkeit hat angesichts der Frauen von heute allen Grund zur Existenz.
Krass.
habe mir noch deinen Kommentar ganz durchgelesen.
und würde nun gerne Nina Pauer zu einem Schlagabtausch mit Jonathan Widder herausfordern.
Denn es gibt keine Diskussion.
Immer nur irgendwelche Feminstinnen und dann auch noch Bascha Mika , aber mit denArgumenten der männer setzt man sich nur seltenst auseinander.
Gute Grüße
MC Brian
Hallo MC Brian,
ja, es gibt keine Diskussion mit Nina Pauer, jetzt ist sie selber stumm.
Das mit dem Maskulinismus stimmt; keiner redet davon. Aber was würde er denn bedeuten und was sind die Maßstäbe, an denen sich der deutsche Mann heute orientiert? Hat er wirklich mehr davon als die Frau?
Gruß,
JW
Das sind Probleme aus Haus und Küche, die es in allen Ländern gibt und fast jeden betreffen.
Feuilleton schreibt man übrigens mit einem "t".
Hier empfiehlt sich der Film "Crazy Stupid Love" , der in den meisten Kinos noch laufen dürfte?
Sehr interessant, wie ein "Player", wie Jugendliche ihn definieren, erst mit der langanhaltenden und tiefgründigen Liebe zufrieden und, vor allem, glücklich ist. Rückblickend beschreibt er sein Playerdasein und das damit verbundenen oberflächliche Kitzeln der weiblichen Gedankenwelt als unzulänglich und nicht als glückselig.
Schon gesehen, Herr Widder ?
Grüße,
Mario
Hallo Jonathan,
deine Antwort auf Nina Pauer - „Was sollt ihr denn? Ihr Frauen wisst doch selber nicht was ihr wollt! Ihr seit doch selber schuld“ - find ich nicht gelungen. Eben unmännlich. Frauen wissen generell (von Natur aus?) nicht, was sie wollen. Darum brauchen sie Männer, die Verantwortung (und Schuld) auf sich nehmen und ihnen helfen herauszufinden was sie suchen. Wenn nun die Männer auch keinen Plan und Mut haben, so kommt das ganze moderne Mann-Frau-Trauerspiel heraus.
Die Aufgabe der Frauen liegt vielmehr darin, den Männern eine Belohnung für ihre Anstrengungen und Risiken zu versprechen. Leider scheinen die Verheißungen der modernen Frau nicht allzu verlockend zu sein, als dass der moderne Mann große Lust bekäme mal was zu riskieren.
Lieber Oliver,
die Ansicht, Frauen wüssten generell bzw. von Natur aus nicht, was sie wollen, ist sexistisch und hält der Empirie nicht stand (und meiner Alltagserfahrung auch nicht). Dass Du sie deshalb von Verantwortung und Schuld freisprichst und das allein auf die Männer auslagerst, ist interessant und zeigt, wie Frauenfeindlichkeit und Männerfeindlichkeit ineinander verschachtelt sind.
Klar brauchen die Männer "Plan und Mut"; aber die Frauen brauchen es auch.
Immer die alte Leier in neuem Gewand. Quer durch alle Kulturen, Zeiten, Philosophien und Religionen zieht sich ein kleiner roter Faden, der meiner Ansicht nach auch sehr gut auf dieses Thema passt. Er heißt schlicht Authentizität. Ob Jesus, Hesse, Ayurveda oder Steve Jobs in sehr einfachen, aber auch treffenden Worten: Lebe nicht das Leben eines anderen, sondern lebe dein Leben.
Die angekreidete Unsicherheit bei den Männern findet man ebenso bei den Frauen und hat oft grob betrachtet einen dominanten Beigeschmack von: Wer möchte ich eigentlich sein, welchem Bild möchte ich entsprechen, welches ist das richtige Lebenskonzept? Oder kurz, bin ich richtig wie ich bin?
Es geht hier schließlich um „Liebe“ und je nach Definition kommt man oft auf den gemeinsamen Nenner, dass Liebe in ihrem theoretischen Ideal eher nicht an Bedingungen geknüpft ist. Sprich, man liebt jemanden wie er ist. Und da ist das Problem. Bei Menschen mit Identitätskrise weiß man nämlich eben nicht woran man ist. Und das ist für keine Seite besonders schön und bringt nur unliebe Spannung und Missverständnisse.
Gerät man an so ein Exemplar Mensch ist es nicht sehr förderlich ihm das noch vorzuwerfen und noch mehr Futter für Selbstzweifel zu geben. Viel förderlicher ist da die Bestärkung und Äußerung des inständigen Wunschs nach dem Selbst des Partners. Wenn das Früchte trägt ist das für beide Seiten eine extreme Bereicherung, denn auch der Impulsgeber wird neben vieler Überraschungen vor allem auch nochmals viel über sich selbst und den Menschen an sich lernen und dabei feststellen, dass wir Menschen uns vor allem durch ein Gegenüber am besten selbst näher kommen.
Was vielen in unserer perfektionismusorientierten Leistungsgesellschaft dabei fehlt ist der Mut. Der Mut man selbst zu sein, sich selbst auszuprobieren, das auszuleben was auf Ablehnung stoßen könnte und der Mut sich selbst aushalten zu können. Ich denke die Bewunderung für solche Menschen kommt nicht von ungefähr, zeigt sie doch dem mutlosen zum einen wo er steht und zum anderen bestärkt sie ihn, Mut zu fassen.
Im Zusammenhang dieser Diskussion kann ich für mich feststellen, dass es nicht das Weinerliche ist, dass den Mann zu einem unsexy Weichei macht, sondern dass er sich in dieser Weinerlichkeit nicht sicher ist und sie ihm gar peinlich ist.
Sehr gut!
Der Gipfel des Mutes wäre es jetzt natürlich noch gewesen, mit echtem Namen zu kommentieren ;-)
Im Ernst: Was ich am Begriff der Weinerlichkeit nicht mag, ist, dass es für mich erstmal keine natürliche Eigenschaft ist; jedenfalls ist es nicht dasselbe wie Schwäche oder Sensibilität, und wer mal weint, ist ja deshalb noch nicht gleich weinerlich. Für mich bedeutet "weinerlich", dass jemand ständig quengelt und herumheult - und deshalb empfinde ich es auch als Beschimpfung, wenn jemand gleich von der "neuen weinerlichen Männlichkeit" spricht.
Andererseits stimme ich voll zu, dass man als Mann Mut braucht, auch voll zu seinen schwachen Seiten zu stehen. Ich behaupte sogar: nur wenn man diese schwachen Seiten voll akzeptiert und auslebt, kann man bei seinen starken Seiten die volle Schlagkraft entwickeln ;-)) (irgendwann ist nämlich dann auch wieder gut damit)
Wer sich die schwachen Seiten aber nicht eingesteht, der trägt sie unbearbeitet weiter mit sich herum und dan sickert womöglich ungewollt doch Stück für Stück was aus ihm (oder ihr) heraus, was irgendwann tatsächlich weinerlich wirkt. Aber dem kommt man natürlich nicht bei, indem man einfach munter drauf einprügelt.
Ganz meine Meinung, Gepard!
Wenn nur jeder der diskutierten Teilnehmer am Spiel des Partnerfindens mit Mut seine eigene Persönlichkeit kennt und vertritt, brauchen wir die ganze Diskussion fast gar nicht. Dann bräuchte Frau Pauer auch keine korrektiven Wünsche an "den jungen Mann" zu formulieren, sondern ihre "junge Frau" müsste eben denjenigen suchen, der sich von sich aus so verhält wie gewünscht.
Außerdem muss dann kein Teilnehmer des Spiels sein Verhalten von (vermeintlichen) Wünschen der Gegenseite abhängig machen, sondern kann - ggf. nach einem gewissen Selbstfindungsprozess - sich selbständig und damit auch kraftvoll verhalten - womit wahrscheinlich auch einfühlsame und verbal orientierte Männer wieder näher am ursprünglich von Frau Pauer formulierten Ideal liegen als z.B. jemand, der jetzt versucht, ein bisschen Macho zu spielen, sich dabei aber unwohl fühlt.
"Es könnte alles so einfach sein..."
einerseits: ja, auf jeden Fall; andererseits würde es einem in einem Klima der Ermutigung noch viel leichter fallen und man müsste nicht jedesmal seinen Mut herauskramen, um Eigenschaften zu verteidigen, die eigentlich ganz natürlich sind
@ Jonathan: Ein paar Anmerkungen zu deiner Antwort:
- Schuld: Zu überlegen, wer an was Schuld hat, hilft am Ende keinem. Darum: dem Gegenüber (in unserm Fall den Frauen) die Schuld einfach erlassen und gut sein lassen. Das heißt nicht, dass man die Schuld jetzt irgendwo anders unterbringen muss (in unserem Beispiel bei den Männern). Im Gegensatz z.B. zur physikalischen Energie (wo es einen Energieerhaltungssatz gebt), kann man die Schuld durch guten Willen in nichts auflösen
- Sexistisch#1: Ich weiß nicht genau was "sexistisch" bedeutet. Ich hab´s mal in Wikipedia nachgeschaut und folgende Kern gefunden: "... Der Sexismus unterteilt alle Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer, unterstellt ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit...". Also, wenn das so ist, kann ich damit leben, dass meine Ansichten sexistisch sind.
- Sexistisch#2: Ich hab den Verdacht dass korrektes, "Anti-sexistisches" Verhalten Teil der von dir beklagten Kälte ist. Ich habe als Zeugin hierfür eine hier lebende Freundin aus Ungarn (akademisch gebildet, attraktiv), die sich so beklagt: "Diese ganzen netten, oberkorrekten deutschen jungen Männer frustrieren mich. Anstatt mich als Frau wahrzunehmen, behandeln sie mich wie ein geschlechtsloses Neutrum. Gegen Zudringlichkeiten und Anzüglichkeiten meiner Osteuropäre kann ich mich wehren aber gegen Indifferenz bin ich machtlos. Ach, wenn sie doch nur ein bisschen Temperament hätten uns wenn´s noch so plump wäre"
Gruss - OLiver
Hi Oliver,
naja, klar geht's nicht drum, ständig mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, aber man kann ja schon überlegen, warum was wie gekommen ist.
Beim Sexismus kommt es natürlich darauf an, ob man nur körperliche Unterschiede sieht oder grundlegende Charaktermerkmale daraus ableitet und ggfs. so den einen grundlegende menschliche Potentiale aberkennt.
Das Argument der Ungarin kenne ich, finde es sympathisch und ich bin keineswegs dafür, alle Frauen zu behandeln wie ein geschlechtsloses Neutrum. Aber das muss man ja nicht, nur weil man ihr zutraut, zu wissen, was sie will! (Viele der Ukrainerinnen, die ich kennen gelernt habe, waren übrigens einerseits total in ihrer Gender-Rolle verfangen und haben andererseits so knallhart und gezielt die Männer ausgesiebt, die für sie interessant waren (und zwar nach materiellen Kriterien), dass es mich teilweise schon wieder schockiert hat).
Gruß,
Jonathan
Gut, gut ,gut. Es wird Zeit, der Frau in der Gesellschaft die Leine zu straffen. Alles geht nicht. Das ging auch für den Mann noch nie. In 30 Jahren werden Kinder nur noch über die Samenbank verkauft. Das Zeug ist klinisch sauber, die Kinder gesund und schön. Und die Männer gehen ins Rotlicht, welches bis dahin auch modernisiert wurde und für feine, bisher etwas zu schüchterne Yuppies attraktiv ist.